Sonja Egger Illustration | Charakterentwicklung | Text

Widderlich

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Viel mehr als Neujahr ist der Herbst für mich eine Zeit des Neubeginns. Wenn ich aus den Ferien heim komme, mehr oder weniger erholt und mehr oder weniger voller Tatendrang, bin ich regelmäßig entsetzt über die Massen an physischem Balast, die ich mit mir herumschleppe. Was Neues anfangen heißt was Altes loslassen.
Alle Jahre wieder landet also der Inhalt sämtlicher Kästen und Schubladen auf dem Boden und wird rigoros in Kann-weg- und Muss-weg-Haufen sortiert. Ein kleiner Teil landet auf dem Darf-bleiben-Haufen.

Und während dieser intellektuell wenig herausfordernden Tätigkeit wandern die Gedanken. Warum mag ich diese Zeit so gerne, die für viele andere eine Zeit von Tod und Verfall ist? Vielleicht weil ich mit Vergänglichkeit nicht nur Verlust assoziiere. Schon in meiner Kindheit habe ich Allerheiligen und Allerseelen immer sehr gemocht. Es waren für mich die persönlichsten Feiertage, weil ich sie fern von kommerziellen und gesellschaftlichen Zwängen erlebt habe. Es gab keinen Festvorbereitungsstress, keine genervten Erwachsenen und keine Zwangsbesuche. Dafür aber eine ganz eigene Verbundenheit. Und Nähe. Zusammen auf den Friedhof gehen, in der Dämmerung mit den vielen anderen Kindern ein Kerzerl anzünden und an Oma und Opa (die ich nicht gekannt habe) und die anderen denken, die vorgegangen sind. Auf dem Heimweg im Dunkeln gab’s dann noch wärmende Maroni. Oder Zuckerwatte oder türkischen Honig (das gab’s sonst nie).

So, und was hat das nun mit dem Widderschädel zu tun? Rein gar nichts. Überhaupt nichts.
Dass ich ausgerechnet einen Sturschädel gezeichnet hab, hat nicht das Geringste mit meiner Familie zu tun. Ganz ehrlich.

Ab damit zum Creadienstag. Habt es fein!

 

 

22 Antworten auf Widderlich

  • Wow, dein Sturschädel ist ganz besonders schön geworden! Ich wünschte ich könnte so zeichnen….liebe Grüße Brigitte

  • Also Sonja ich bin begeistert von deinem Zeichentalent! So so schön ist das geworden! Und die ganzen Details. Einfach der Hammer. Du hast es wirklich drauf! Die Schubladen sollte ich auch wieder mal leeren und ausmisten…. na ja ein andermal ;-)
    Liebe Grüsse aus der Schweiz.
    Nica

    gepostet von

    Nica am
  • was für eine schöne Zeichnung! Ich bin sehr begeistert und deine “Freude” an den Feiertagen, bei denen es um “Verfall” geht, kann ich gut verstehen- sie zelebrieren das Leben!
    herzliche Grüße
    Denise

    gepostet von

    Denise-diegutendinge am
  • Wow! Die Zeichnung fetzt!

    gepostet von

    Gerd am
  • Sehr schöner Sturschädel! Toll gezeichnet.
    Lieben Gruß, Yna

    gepostet von

    Yna am
  • Diese Zartheit und Härte im Knochen – faszinierend.
    Und was Du da über Neubeginn und Besinnung im Novembernebel schreibst – genauso geht es mir auch.
    Lieben Gruß von Lena

    gepostet von

    Zauberflink am
  • ich hab noch nie einen so wunderbar gezeichneten schädel gesehen!!
    ich frage mich auch manchmal, warum mich morbide dinge so magisch anziehen – eine antwort hab ich darauf noch nicht gefunden. als atheistenkind gab es für mich weder allerseelen noch allerheiligen. schade eigentlich, denn mit kerzen auf dem friedhof der verstorbenen zu gedenken, hätte mir sicher sehr gefallen!
    liebe grüße von mano

    gepostet von

    mano am
    • ps: tausend dank für deinen kommentar zu meinen schachteln! auch das erdferkel dankt, denn für so einen bösen wolf gehalten zu werden, findet es großartig! und der rote zufallspinguin mag es als eisbär zu gelten. so braucht er keine angst mehr vor seinen neuen artgenossen zu haben ;-))! ♥lichst, mano

      gepostet von

      mano am
  • :-) Suuuper!

    gepostet von

    verfuchstundzugenäht am
  • Großartig, die Zeichnung-wunderbar. Der Text- ich fühl mich verstanden…
    Herzliche Grüße von Lisa

    gepostet von

    strohzugold am
  • Gestern habe ich in einer Galerie in Wyoming fast das gleiche Motiv in Öl mit schwarzem Hintergrund gesehen. Für schlappe 22.000 Dollar. Ha! Und deins ist viel schöner!
    LG aus den USA, Jutta

    gepostet von

    Grimmskram am
    • Ooooh, wie lieb! Post aus Amerika. Bin vor Deinem Abflug nicht mehr zum Antworten gekommen. Ich wünsch Dir noch eine wunderschöne Zeit dort und freu mich, wenn Du wieder da bist! :-)))

      gepostet von

      Sonja Egger am
  • Liebe Sonja,
    ich kann gar nicht glauben, dass man so so gut malen kann. Der Schädel ist klasse.


    ein großes Thema für mich.
    Judika
    die sich freut von von Dir zu lesen und zu schauen, was Du machst

    gepostet von

    Judika am
  • ääähm das mit dem link hat nicht so geklappt, wie ich es wollte:
    Loslassen, das ist ein großes Thema für mich:
    https://diejudika.de/2015/09/rot-und-schwarz.html
    … da steht eine kleine Geschichte zum Loslassen

    gepostet von

    Judika am
  • Eine wahrhaft widderliche Zeichnung, hihi!
    Du machst da immer irgendwas mit dem Papier, wa? Irgendwas mit mehreren Schichten und der Raumzeitkrümmung und einer Prise Relativitätstheorie und einem Klacks Quarks (den Fermionen, nicht dem aus Milch) und so, und so saugst Du dann dreidimensionale Objekte per Bleistiftzauberstabgewedel in die Flachheit eines Blattes Papier und hältst sie dort gefangen. Sie sind immer noch dreidimensional, man sieht es, aber wenn man versucht, sie anzufassen: nur Papier.
    Ich werde mich, weil ich das durchschaut habe, niemalsnicht von Dir porträtieren lassen, aber ich liebe Deine der Physik spottenden, wunderschönen Ergebnisse!

    gepostet von

    Maike am
  • haha!
    und voll schön ist er, der sturschädel.

    liebe sonja, es geht und ging mir ganz genau so. und du hast da sehr schön die lösung des rätsels meiner von kindesbeinen an existenten allerheiligenliebe buchstabiert – das erscheint mir sehr plausibel. heuer wird wird allerheiligen anders, am frischen grab von papa, aber fürs herz ist dieser tag auch in diesem jahr das richtige, wie immer.

    gepostet von

    mme ulma am
  • Was für eine wunderschöne Zeichnung! Was du für ein künstlerisches Händchen hast! Wahnsinn!!! Ich bin total begeistert! Dein Schädel erinnert mich sofort an die Gemälde von Georgia O’Keeffe. Sie hat auch oft Schädel in der Wüste von New Mexiko gemalt. Dein Name ist zwar nicht so international bekannt und ein Museum hat man auch noch nicht nach dir benannt, aber dein Widder ist kein bisschen schlechter. Spitze! Wow!
    Ganz, ganz liebe Grüße zu dir und schönes Wochenende… Michaela

    gepostet von

    HELLO MiME! am
  • Ich mag die Zeichnung sehr. Und dem Geschriebenen stimm ich voll und ganz zu. Und das Allerschönste: du bist in meiner Blogroll wieder weiter oben! Lieben Gruß nach Wien Lisa

    gepostet von

    Lisa am
  • Liebe Sonja,
    herrlich ist dein Widderschädel! Mir geht es mit dem Herbst ähnlich. Er ist ein Ankommen, der Beginn vom Einkehren, zu mir Kommen.
    Sei herzlichst gegrüßt und hab Dank für deine lieben Worte!
    Dania

    gepostet von

    Dania am
  • und die duftenden langós bei den friedhofstandln nicht zu vergessen, mit viel knofel und geschwisterlich geteilt…
    aber auch wenn kein widderschädel in der jüngeren familiengeschichte auftaucht: astrologisch betrachtet stehen neubeginn (der beginn des jahres mit dem frühlinsäquinoktium im zeichen des widders) und loslassen im zeichen des mars (herrscher von widder und klassischer herrscher des skorpion-zeichens) –> link gefunden…!!!
    ;D
    lg ei

    gepostet von

    ei am

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